(Weiße) Normen und Natürlichkeiten – Lesetipps

Vorstellungen von Schönheit sind weder biologisch begründet, noch entstehen sie in einem luftleeren Raum. Im Gegenteil: Sie sind immer in den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext eingebunden und von Machtverhältnissen durchzogen. Eines dieses Machtverhältnisse ist Rassismus, der sich im Bezug auf Schönheitsnormen darin äußert, dass weiße Körper (zB helle Haut und (glatte) helle Haare) als Norm und Ideal gesehen werden. Produkte, die auf den Markt kommen, werden auf diese Körper zugeschnitten (so ist bei Concealern die Farbe “Naturell” zumeist ein helles beige/rosa), und Models werden via Photoshop (zB durch ein Aufhellen der Haut) an diese Norm angepasst.

Doch damit nicht genug. Während weißen Personen im Bezug auf ihr Styling kaum Grenzen gesetzt sind,  werden Mode- und Stylingentscheidungen von People of Color immer wieder bewertet und verurteilt. Ein Beispiel dafür ist das Schönheitsideal der Natürlichkeit™, wie Heng auf Queer Vanity in ihrem Beitrag Natürlichkeit MY ASS! klar stellt:

Während weiße Brunetten ihre Haare so hell bleichen können, wie es nur geht, wird rassifizierten Personen direkt das Anpassen an weiße Schönheitsnormen vorgeworfen, wenn sie ihre Haarfarbe auch nur ein bisschen verändern. Es wird nicht nur Unnatürlichkeit, sondern mangelnde Authentizität unterstellt. Warum stehen People of Color und Schwarze Menschen nicht einfach zu ihrem Aussehen???? Ich frage mich da: Warum ist es legitim, wenn weiße Hipster blaue Haare haben, aber ich muss bloß darauf achten, dass ich a) als Middle-Eastern Person gelesen werden kann und b) meine Natürlichkeit™ nicht fallen lasse?

Auch Emine schreibt auf ihrem Blog Diaspora Reflektionen über weiße Bevormundung gegenüber People of Color im Bezug auf Modefragen:

Während eine nicht-Muslima oder eine Frau, die kein Kopftuch trägt einen langen Rock aus modischen Gründen tragen kann, wird der kopftuchtragenden Frau schnell Konservativität oder >Fundamentalismus< unterstellt. Trägt sie eine Abaya, wird es ganz kritisch. So gibt es durchaus Fälle, in denen Schwestern, die sich sozial engagierten aus ihren eigenen Reihen nahegelegt wurde, dass sie doch bitte keine Abaya tragen sollen. Oder, dass sie sich doch mal ´bunter´ anziehen sollten.

In ihrem Beitrag They call me Mippie erklärt sie außerdem noch mal, was das Problem mit kultureller Aneignung – nicht nur – im Bezug auf Kleidungsstücke ist:

Und wenn nun weiße meinen Şalvar “Ethnohose” nennen, dann begehen sie einen Fehler, da sie die Kleidung, – die nicht ihrem kulturellen Background entspringt- zu etwas machen, was vermeintlich aus ihren Kreisen entstanden ist und in erster Linie mit einer weißen ´Subkultur´ assoziert wird.

Nicht das Tragen der Hosen an sich ist das Problematische – etwa wie bei politischen und religiösen Aneignungen, die schlichtweg rassistisch sind (Rastas, Dreads, Plucks und Kopfschmuck von Ingineous People) – sondern die Ignoranz dessen, woher diese Hosen herkommen. Etwas, was keinen weißen Ursprung hat wird durch die Aneignung von weißen ´straßentauglich´, während unsere Großeltern damals für ihre Kleidung angegafft und belächelt wurden.

Zum Thema kulturelle Aneignung hat Heng auf ihren anderen Blog Tea-Riffic übrigens schon im letzten Jahr einen tollen Beitrag geschrieben.

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